Wirrwarr der Gefühle
Manchmal wünscht man sich nach Hause zurück. Nach Hause in die Arme der Mutter, in die Geborgenheit der Familie. An einen Ort, von dem man weiß, dass man nie alleine sein wird, dass immer Menschen um einen herum sind, die es gut mit einem meinen und die bedingungslos für einen da sind.
Manchmal fühle ich mich so unendlich weit weg von meiner Familie. Ich wäre gerne wieder das kleine Kind von damals, das vom Leid der Welt noch nichts wusste, das noch keine schlechten Erfahrungen gemacht hatte, das noch keine Enttäuschungen am eigenen Leib erfahren musste. Natürlich blieb man nicht immer das liebe kleine Kind und die Eltern waren nicht immer der verständnisvolle Part. Es gab viele Konflikte, auch in der Familie war es nicht immer leicht. Trotzdem weiß man, dass man in der Familie Menschen hat, die einen bedingungslos lieben. Die einen akzeptieren, wie man ist, wo man kein Spiel spielen muss und nicht bei jedem Streit in Zweifel gerät, ob das nun wirklich das Richtige für einen ist.
Das Verletzendste, das man in einer Partnerschaft immer wieder erfährt, sind die ständigen Androhungen: "Dann lassen wir es eben". Ja, dann lassen wir es. Wenn man diesen Satz innerhalb eines Monats zum zehnten Mal zu Ohren bekommt, fragt man sich tatsächlich nach dem Sinn einer Beziehung. Einer Beziehung, die einem in schwierigen Situationen doch eine Stütze sein sollte. Ein Halt, jemanden auf den man sich verlassen kann. Stattdessen schafft es manche Partnerschaft zur zusätzlichen Belastung zu werden. Ist man nicht spätestens da an einem Punkt, an dem man es wirklich lassen sollte?
Sobald ich aufhöre zu schreiben, fange ich an nachzugrübeln, versuche doch wieder Gründe zu finden, versuche mein eigenes Verhalten zu hinterfragen. Aber was habe ich denn falsch gemacht. Was macht man falsch, wenn man soviel Rücksichtnahme und Verständnis für jemand anderen zeigt?
Ich kann es nicht verstehen - wahrscheinlich werde ich es nie verstehen können. Vor allem nicht, da ich anscheinend noch diejenige sein soll, die die Fehler begeht, die uneinsichtig, kompliziert oder diskutier-freudig ist. Ich will einfach nicht mehr! Ich habe keine Kraft mehr dazu!
Und doch liebe ich diesen Menschen und kann mir nicht vorstellen ihn wieder zu verlieren. Aber ich sehe keine andere Lösung, als diese ständigen Dramen lieber früher als später zu beenden. Da ich weiß, dass ich daran kaputt gehen werde, dass ich diesen Zustand nicht länger aushalten kann. Manchmal tut das Leben so verdammt weh. Manchmal hat man das Gefühl, alles hätte sich gegen einen verschworen. Man hat doch schon genug Stress. Das weiß der Partner und trotzdem kann er es nicht lassen, sich selbst in Szene zu setzen, vielmehr eine Szene zu machen und dabei scheinbar alles andere zu vergessen. Vielleicht gibt es manche Menschen, die das Drama brauchen. Vielleicht gibt es Menschen, die sich streiten müssen, um Energien loszuwerden. Aber können sie sich dann nicht jemand anderen suchen, als permanent auf mir rumzuhacken und zu bewirken, dass es mir noch schlechter geht?
Manchmal widert das Leben einfach nur an - dabei könnte es doch eigentlich so schön sein! Schade!