Enttäuschungen
Ich soll über eine Enttäuschung schreiben, riet mir vor einiger Zeit ein Freund. Er sagte das, weil ich ihm gegenüber äußerte, dass ich gerne schreiben würde, aber nicht wisse, worüber. Es gibt so viele Themen, über die man schreiben könnte, aber hat man zu jedem Thema auch wirklich was zu sagen?
Nun ja, zu diesem Enttäuschungs-Thema, das er mir vorschlug, habe ich gerade mehr als genug zu berichten, daher dachte ich, ich fange damit an. Ich weiß nicht, ob es jemanden interessiert. Aber wenn nicht, dann hilft es vielleicht wenigstens mir selbst, damit besser zu Recht zu kommen.
Mein Leben besteht gerade nur aus Enttäuschungen - zumindest erscheint es mir im Augenblick so. Und bei jeder neuen Enttäuschung, bei jedem neuen Streit, habe ich das Gefühl einfach nicht mehr weiter zu können. Man steht alleine, man fühlt sich verletzt, missverstanden, man würde sich einfach nur nach jemandem sehnen, der einen in den Arm nimmt, der für einen da ist, der sagt: es wird alles wieder gut. Manchmal würde es so gut tun, diese Worte zu hören. Manchmal sehnt man sich so sehr nach einer helfenden Hand, aber man wartet vergeblich darauf, dass jemand kommt und einem hilft. Vielleicht ist die größte Enttäuschung in dem Moment diejenige, dass man das Gefühl hat, von aller Welt verlassen zu sein. Ich habe das Gefühl, ich muss immer stark sein, ich muss funktionieren, ich darf keine Schwäche zeigen. Aber unter dieser Last werde ich irgendwann zusammenbrechen. Mit jeder neuen Enttäuschung vielleicht ein kleines Stück mehr.
Was geht dabei verloren? Oft wird einem gesagt, man würde auch aus Enttäuschungen lernen, man würde daran wachsen…davon merke ich nichts. Ich merke nicht, dass ich mit jeder neuen Enttäuschung weniger betroffen bin. Vielleicht sogar im Gegenteil, bin ich mit jeder neuen Enttäuschung jedes Mal ein Stückchen näher an einem Abgrund. Ich weiß, ich werde nie aufgeben. Aber es tut so weh!
Enttäuscht bin ich vor allem von dem Menschen, dessen Hilfe ich am nötigsten bräuchte. Derjenige, der mich aufbauen sollte, der mir in schönen Momenten sagt, er sei immer für mich da. Gerade von ihm erfahre ich aber am wenigsten Unterstützung. Er macht mir Vorwürfe, meint ich würde nur diskutieren wollen, lässt mich nicht ausreden, sagt, obwohl ich sowieso schon am Boden bin, es würde mir nur darum gehen, Recht zu haben und als stärkere aus einem Kampf hervor zu gehen. Ich weiß einfach nicht mehr, was ich noch tun kann. Vielleicht würde ich all die Vorwürfe, die Konflikte besser ertragen, wenn ich selbst in Moment ein bisschen stabiler wäre. Aber das bin ich nicht.
Ich habe mein Auto verloren. Es wurde mutwillig angezündet! Das war eine Enttäuschung, die ich vor nicht langer Zeit hinnehmen musste. Ich muss sehen, wie ich damit fertig werde. Ich habe nicht viel geweint, nicht viel getrauert, obwohl andere zu mir sagten, sie wären mindestens 2 Tage lang auß0er Gefecht gesetzt gewesen nach so einer Nachricht. Nein, ich bin jemand, der von Natur aus wieder aufsteht, der weiß, dass es keinen Sinn hat, zusammenzubrechen und nicht mehr weiterzumachen. Aber vielleicht sollte ich mir ab und zu ein klein wenig mehr Schwäche zugestehen und nicht nach 5 Minuten wieder alles schlucken und sogar für die absurdesten Dinge den Fehler bei mir suchen.
Es wäre nur schön, wenn mir jemand dabei helfen würde und nicht alle meine Lieben so weit weg von mir wären.